1. Junior Uni-Bildungskonferenz 

25. November 2016
Die erste Bildungskonferenz der Wuppertaler Junior Uni für das Bergische Land bestätigt erneut den überregional bedeutsamen Leuchtturmcharakter der bislang in Deutschland einmaligen außerschulischen Bildungseinrichtung. Was vor acht Jahren als Modell begann, ist mittlerweile ein anerkannter, wissenschaftlich begleiteter und in der deutschen Bildungslandschaft etablierter Ort außerschulischen Lernens geworden. Neben dem hohen Niveau des umfangreichen ganzjährigen Lehrangebots für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen vier und 20 Jahren ist auch die rein private Finanzierung durch Stiftungen, Unternehmen, Förderverein und Einzelspender einmalig. „Mit unserer ersten Bildungskonferenz möchten wir die Nachhaltigkeit der Junior Uni und damit die Notwendigkeit ihres dauerhaften Bestehens für unsere Stadt und die Region auch wissenschaftlich dokumentieren“, erklärt Junior Uni-Geschäftsführerin Dr. Ina Krumsiek.

Pädagogik der funkelnden Augen

Es war der Tag der Premieren oder wie Junior Uni-Ideengeber Prof. Ernst-Andreas Ziegler in seiner Begrüßung sagte: „Heute ist ein grandios wichtiger Tag für uns.“ Rund 100 geladene Gäste, darunter viele Schulrektoren und Lehrer aus dem Bergischen Land, Lehrstuhlinhaber und Professoren der Uni Wuppertal und anderer Hochschulen, Unterstützer wie Dr. Eugen Trautwein, Politiker wie Remscheids Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz, Remscheids Schulrätin Brigitte Dörpinghaus und Elberfelds Bezirksbürgermeisterin Ingeborg Ockel, eine Delegation aus Wuppertals Partnerstadt Kosice und eine Abordnung aus Mühlheim an der Ruhr, die eine außerschulische Bildungseinrichtung in ihrer Stadt eröffnen möchten, erlebten eine hochinteressante und informative erste Bildungskonferenz in der Junior Uni. Dr. Ina Krumsiek berichtete mit einem Blick zurück von der Entstehung der ersten 20 Kurse vor acht Jahren, von zugigen Räumlichkeiten in einem provisorischen Gebäude und von der vom ersten Tag an praktizierten Pädagogik der funkelnden Augen: „Bei unseren Dozentinnen und Dozenten steht bis heute nicht die pädagogische Ausbildung im Fokus, sondern das absolute und aufrichtige Interesse, das sie für ihr jeweiliges Lehrthema mitbringen.“
Gelungene Premiere als Junior-Moderatoren-Team feierten auch die Junior Uni-Studentinnen und Studenten Mali (11 Jahre), Emma (12), David (17) und Nora (18). Souverän und charmant befragten sie die insgesamt sechs Referentinnen und Referenten vor ihren Vorträgen etwa zu ihrem persönlichen Bezug zur Junior Uni, zu ihrer beruflichen Tätigkeit oder zu dem Spaßfaktor an der Arbeit mit Zahlen und Fakten. Diese Frage beantwortete Dr. Anna Makles vom WIB-Institut der Bergischen Universität zum Vergnügen des Publikums mit einer augenzwinkernden Gegenfrage: „Du willst wissen, ob ich ein Nerd bin?“, bevor sie gemeinsam mit Prof. Kerstin Schneider (Leiterin des WIB - Wuppertaler Institut für bildungsökonomische Forschung) den aktuellen Evaluationsbericht über die Junior Uni vorstellte. Die beiden Wissenschaftlerinnen begleiten die Junior Uni seit acht Jahren aus bildungsökonomischer Sicht und präsentieren auf der Bildungskonferenz hochspannende und aktuelle Einblicke in die Zusammensetzung der Studentenschaft. Mehr lesen Sie hier.

Auch Prof. Cornelia Gräsel, Prorektorin der Bergischen Universität, ist mit der außerschulischen Bildungseinrichtung seit Jahren eng verbunden, unter anderem als Vorsitzende ihres Wissenschaftlich-Pädagogischen Beirats. Die Bildungswissenschaftlerin lobte in ihrem lebendigen Vortrag vor allem die Nachhaltigkeit der Junior Uni und ihren hohen Anspruch an sich selbst. „In punkto Qualitätssicherung hat die Junior Uni so mancher Hochschule etwas voraus. Ergebnisse aus Evalutationen und  Promotionen hört sich die Junior Uni nicht nur an, nein, sie arbeitet damit weiter und entwickelt sich so stetig weiter“, so Gräsel. Sehen Sie hier die Vortragsfolien von Prof. Cornelia Gräsel.

Eine der Promotionen zur Qualität der Kurse stellte Doktorandin Annika Schächt, die als Fachkoordinatorin an der Junior Uni tätig ist, vor. Ihre hochkomplexen Ergebnisse, die sie anhand einer eigenen Studie unter Junior Uni-Studenten und in Schulen erhoben hat, fasste sie für das Publikum anschaulich zusammen. "Je höher der Alltagsbezug der gelehrten Themen in unseren Kursen ist, desto größer ist das Interesse unsere Studenten“, so eine von Schächts Kernaussagen. 

Tiefere Einblicke in die Entstehung eines Semesterkursprogramms, das in der Regel mit etwa 200 Kursen und 150 aktiven Dozenten startet, lieferten Dr. Thorsten Balgar und Prokuristin Dr. Ariane Staab, beide wissenschaftliche Fachkoordinatoren an der Junior Uni. Wie heterogen sich die Dozentenschaft zusammensetzt und wie die Junior Uni-Bildungskette greift, erläuterten sie mit anschaulichen Beispielen. Außerdem stellten sie die vielfältigen Möglichkeiten zum Forschen und Experimentieren vor, die die Junior Uni Jugendlichen und jungen Erwachsenen, aber auch Grund- und weiterführenden Schulen außerhalb des regulären Semesterprogramms liefert. Sehen Sie hier den Vortrag der Fachkoordinatoren.

"Bildungsangebote außerhalb der Schule darf es nicht nur für Besserverdienende geben!"

Jakim Essen, persönlicher Referent von NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann, verlas folgendes persönliches Grußwort der Ministerin

"Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr gerne wäre Frau Ministerin Löhrmann heute selber hier gewesen. Aber Ihr Terminkalender hat das leider nicht zugelassen. Ich soll Ihnen herzliche Grüße von Ihr ausrichten und freue mich, dass ich nun in ihrem Namen ein kurzes Grußwort sprechen darf – insbesondere, da meine eigenen Kinder schon mehrfach wunderbare Kurse hier besucht haben.
Zunächst einmal sei Ihnen, verehrter Herr Professor Ziegler, die große Wertschätzung der Ministerin gegenüber der Junior Uni und auch ganz persönlich Ihnen und Ihrer Arbeit gegenüber versichert. Sie werden das bei Ihren verschiedensten Begegnungen ohnehin gemerkt haben.
Denn die vielen Aktiven der Junior Uni Wuppertal „durchkreuzen“ den in vielen Köpfen vorherrschenden klassischen Bildungsweg – und das ist gut so: Sie bilden schon Vierjährige, sind aber kein Kindergarten. Sie bieten Kurse für tausende von Schülerinnen und Schüler, sind aber keine riesige Schule. Sie vermitteln Wissenschaft, sind aber keine Hochschule. Sie unterrichten praktisch und anwendungsbezogen, sind aber kein Berufskolleg oder Ausbildungsbetrieb. Also: kein Kindergarten, keine Schule, keine Uni, kein Ausbilder. Aber doch ein großartiger Bildungsort. Sonst wäre nicht der Oberbürgermeister Herr Mucke heute hier gewesen.
Und dass Sie, Herr Oberbürgermeister Mast-Weisz aus Remscheid, hier sind, beweist: Die Junior-Uni ist eine Bildungsinstitution, die mittlerweile weit über Wuppertal hinaus bekannt und geschätzt ist.

46.000 belegte Kursplätze, 4.000 Kurse. Das zeigt: Kinder und Jugendliche kommen gerne hierher, und Eltern fiebern – das weiß ich aus eigener Erfahrung – dem Anmeldeverfahren entgegen. Weil Kinder und Jugendliche bei Ihnen erfahren und erleben, wie spannend Wissenschaft und Forschung sind. Die bunte Mischung der Dozentinnen und Dozenten macht die Kurse vielseitig, jede Altersgruppe wird angesprochen.
Sie führen junge Menschen ohne Lehrpläne und Leistungsdruck an Themen aus verschiedenen Fächern und Disziplinen der Wissenschaft heran und wecken Freude am Lernen und Entdecken. Das steigert dann letztlich auch das Interesse an entsprechenden Studienfächern und Berufen. Besonders freut sich Frau Ministerin Löhrmann über die – trotz rein privater Finanzierung – geringen „Studiengebühren“ Ihrer Uni. Sie ermöglichen dadurch vielen Bevölkerungsschichten die Teilnahme – und dies ist ein ganz zentraler Punkt: Auch Bildungsangebote außerhalb der Schule darf es nicht nur für Besserverdienende geben! Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass alle Kinder und Jugendlichen – unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem Vorwissen – optimal gefördert werden. 

Ja, all das erfordert viele Kooperationen, die von Ihnen immer weiter ausgebaut werden. Dass Ihnen das alles gelingt, beweist die illustre Schar Ihrer heutigen Gäste: Unternehmerinnen und Unternehmer, die gerne Ihr Geld geben; Schulleiterinnen und Schulleiter und Lehrerinnen und Lehrer, die gerne diesen – so der Fachjargon – außerschulischen Lernort mit ihren Schützlingen besuchen; Herr Rektor Professor Koch, sowie weitere Professorinnen und Professoren und Lehrstuhlinhaber, die auf klugen Nachwuchs hoffen; sogar Gäste aus Wuppertals Partnerstadt Kosice; und nicht zu vergessen die Vertreterinnen der Medien und weitere Mandatsträgerinnen und Mandatsträger aus der Region. Sie alle sind hier, und sie sind gerne hier, und das zumeist nicht zum ersten, und ganz sicher nicht zum letzten Mal.

Frau Ministerin Löhrmann wünscht Ihnen für die weitere Arbeit mit den jungen Forscherinnen und Forschern alles Gute und bittet Sie alle darum, in Ihrem Engagement für die Bildungschancen der Kinder und Jugendlichen auch in Zukunft nicht nachzulassen."